Potsdam als Laborstadt

Die aktuelle Stadtentwicklung wie auch die Stadtentwicklungspolitik von Potsdam weisen im Vergleich mit anderen urbanen Räumen eine Vielzahl von Besonderheiten auf, die Potsdam als Referenzort und Reallabor im Rahmen des Forschungsprojektes als gut geeignet erscheinen lassen. Im Bereich des Wohnens und der Wohnraumversorgung führt eine seit Jahren starke Wachstumsdynamik, der aufgrund der stadträumlichen und kulturlandschaftlichen Besonderheiten nur eingeschränkt bedarfsgerecht mit Angebotserweiterungen und -anpassungen begegnet werden kann, zu einem kontinuierlich angespannten Wohnungsmarkt mit entsprechenden tiefgreifenden Transformationsprozessen praktisch aller städtischer Teilräume.

Die Sozialstruktur ist u.a. durch eine starke stadträumliche Polarisierung gekennzeichnet. Ein bedeutender Anteil des Wohnungsbestands geht auf die Siedlungsentwicklung in der Zeit zwischen 1970 und 1990 zurück - etwa jede dritte Wohnung in Potsdam liegt in einem Gebäude aus dieser Zeit.

Seit Anfang des Jahrtausends wurden Strategien zur klimafreundlichen und sozialverträglichen Umgestaltung dieser Siedlungen entwickelt und umgesetzt. In Potsdam existiert ein breites Spektrum von Governancestrukturen mit allen damit verbundenen besonderen Herausforderungen und Chancen für die "formale" Stadtpolitik, wie z. B. eine kritische, wissenschaftlich fundierte Stadtöffentlichkeit oder auch etablierte und wirkungsvolle Mitwirkungs- und Proteststrukturen.

Potsdam hat vor diesem Hintergrund "Grundsätze für Bürgerbeteiligung" entwickelt und mit der "WerkStatt für Beteiligung" eine besondere Organisationsform zur Unterstützung einer aktiven Bürgerbeteiligung entwickelt, erprobt und wissenschaftlich evaluiert. Vor diesem Hintergrund wurde nach grundlegenden Vorarbeiten durch ein Expertengremium ("Potsdam22") im Auftrag der Stadt von Mitte 2014 bis Mitte 2015 unter aktiver Einbindung eines breit aufgestellten Begleitkreises aller relevanten Potsdamer Wohnungsmarktakteure (u.a. kommunale, private und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft, Eigentümerverband Haus und Grund, Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Stadtpolitik, Vertreter der Potsdamer Mietervereine, Mieterinitiativen, Stadtwerke, WerkStadt für Beteiligung, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung) ein wohnungspolitisches Konzept erarbeitet, welches die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung am 07. Oktober 2015 beschlossen hat. Eine ganze Reihe von darin aufgeführten Maßnahmen hat einen engen Bezug zum Forschungsgegenstand. Dazu zählen u.a. der Ausbau von Konzeptvergaben für städtische Grundstücke, die Stärkung selbstbestimmten Wohnens im Quartier, die Vermittlung von Mietshäusern an sozial verantwortliche Eigentümer und die Bündelung von Beratungsangeboten für besondere Wohnkonzepte und Wohnprojektinteressierte.

Aus der Arbeit des Begleitkreises und der Bereitschaft zur Mitwirkung auch an der Umsetzung der im Konzept aufgeführten Maßnahmen ging die Gründung des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen der Landeshauptstadt Potsdam am 25.5.2016 hervor. In der Vereinbarung werden Grundlagen und Ziele für bezahlbaren Wohnraum definiert. Darüber hinaus gibt es nun einen organisatorischen Rahmen, in dem geregelt wird, wie die Bündnispartner an der Umsetzung der Maßnahmen und Instrumente mitwirken, über den Fortschritt der Umsetzung beraten und sich regelmäßig auf Schwerpunkte für die Umsetzung verständigen.

Darüber hinaus gibt es in Potsdam eine Vielzahl weiterer Anknüpfungspunkte für das Projekt sowohl auf der Bedarfsebene (z. B. Demenz-WG, generationsübergreifendes Wohnen) als auch auf der Akteurs- und Potenzialebene (z. B. Wohnungsgenossenschaften, Baugemeinschaften, Mietshäusersyndikat-Projekte, städtische Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsgesellschaft).

Ansprechpartner für den Bereich Wohnen in der Potsdamer Stadtverwaltung: Gregor Jekel